Gerd Roellecke, Karlsruhe/Mannheim: Rhetorik

ãSchweigen ist Reden, wenn Reden erwartet wirdÒ

 

Abstract: Gesamtgesellschaftlich gesehen hat Rhetorik als Lehre vom Ÿberzeugenden Reden in den letzten dreihundert Jahren sichtlich an Bedeutung verloren. Heute verlangt die Politik zwar mehr Rederei von der Gesellschaft als je zuvor. Aber Rhetorik hat keine gesellschaftlichen Funktionen mehr. Jeder muss reden kšnnen. Wer es nicht kann, gilt als Fall fŸr die Medizin. Als Vorbereitung auf spezielle Herrschaftsfunktionen ist Rhetorik daher nicht mehr gefragt.

Auch ihr Nutzen fŸr das Individuum ist zweifelhaft geworden. Persšnlichkeit zu sein, bedeutet, jeder muss stets als derselbe wieder erkannt werden kšnnen. Deshalb kann er sich nicht beliebig Ÿberreden lassen. Das muss auch der jeweilige GesprŠchspartner anerkennen. Diskussionen kšnnen daher kaum mehr als Taschentuchduelle sein. Das erklŠrt, warum Rhetorik heute nur noch in Management-Kursen, Parteiseminaren und Volkshochschulen gelehrt wird.

 

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