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27 Der Herausgeber Othmar Plöckinger studierte Germanistik, Mathematik und Geschichte und ist derzeit Lehrer am Gymnasium für Berufstätige in Salzburg. Zahlreiche Publikationen zur Geschichte von Mein Kampf und zur Frühgeschichte der NSDAP. Mitarbeit an der kommentierten Edition von Mein Kampf des Instituts für Zeitgeschichte in München. Autoreninterview Welche Fragen kann der Leser Ihres Buches nach der Lektüre beantworten? Beide Dokumente geben einen tiefen Einblick in die bolschewistische und katholische Bewertung der Politik und Ideologie Hitlers und des Nationalsozialismus. Besonders interessant: welche Aspekte jeweils als unwichtig erachtet wurden – etwa hinsichtlich des Antisemitismus in „Mein Kampf“. Was hat Sie an den beiden Quellen am meisten überrascht? Bei der bolschewistischen Analyse überrascht, wie klar die außenpolitischen Ziele Hitlers gesehen und zugleich die innenpolitischen Verhältnisse in Deutschland verkannt werden. Im Vatikan wird der Rassismus als Grundlage des Nationalsozialismus herausgearbeitet und seine Folgen für Staat und Gesellschaft analysiert. Dass dabei allerdings der Antisemitismus kaum in den Blick kommt, ist überraschend. Wer kommt an dieser Edition nicht vorbei? Wer sich mit der Ideologie des Nationalsozialismus beschäftigt, findet in dieser Edition wichtige Anhaltspunkte – insbesondere dafür, was in der ersten Hälfte der 1930er Jahre im Ausland bekannt war. Die Edition ist damit nicht nur für Historiker, sondern z.B. auch für Juristen, Philosophen und Theologen von Interesse. Othmar Plöckinger (Hg.) Schlüsseldokumente zur internationalen Rezeption von „Mein Kampf“ BEITRÄGE ZUR KOMMUNIKATIONSGESCHICHTE – BAND 29 Das Auslaufen der Urheberrechte an Hitlers Mein Kampf Ende 2015 rückte diesen zentralen Text des Nationalsozialismus verstärkt ins Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit. Es ist dabei nicht allein ihr Inhalt, der die Schrift so bedeutsam macht – es sind auch die Reaktionen der Zeitgenossen darauf. Das gilt nicht nur für Deutschland. Inzwischen hat die Forschung für Länder wie Großbritannien, die USA oder Frankreich wichtige Erkenntnisse zutage gefördert. Schwieriger liegen die Verhältnisse in Russland und im Vatikan. Mit der vorliegenden Edition macht Othmar Plöckinger erstmals zwei umfangreiche Dokumente aus den russischen und vatikanischen Archiven der Forschung im vollen Umfang zugänglich. Grigori Sinowjew, der Mein Kampf 1932/33 ins Russische übersetzte, analysierte das Buch ausführlich aus bolschewistischer Sicht. Auch das Heilige Offizium in Rom untersuchte 1934/35 die ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus und stützte sich dabei in hohem Maße auf Hitlers Kampfschrift. Diesen beiden Dokumenten kommt daher, bei allen Unterschieden, eine zentrale Bedeutung in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu. 19.–21. Jahrhundert


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