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Franz Steiner Verlag
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Heiko Stoff

Wirkstoffe

Eine Wissenschaftsgeschichte der Hormone, Vitamine und Enzyme, 1920–1970

2012.
396 S.
9 Farbtaf., Kartoniert
ISBN 978-3-515-10099-1

Kurztext

Unter dem Begriff "Wirkstoffe" wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausschließlich Enzyme, Hormone und Vitamine verstanden. Während die erst in den 1920er Jahren isolierten Hormone und Vitamine vereinte, dass sie selbst in kleinster Menge Mangelzustände aufhoben, verwiesen Enzyme auf die Fähigkeit, stoffwechselchemische Prozesse zu beschleunigen. Wirkstoffe, das waren unsichtbare, für das Funktionieren des Organismus jedoch unerlässliche chemische Agentien.
Der Braunschweiger Wissenschaftshistoriker Heiko Stoff zeigt in seiner Studie, dass Wirkstoffe eine neue Physiologie des biochemisch gesteuerten, aber auch steuerbaren Körpers begründeten und als pharmakologische Präparate zugleich höchst erfolgreich auf einem neuen Markt für präventive und optimierende Mittel funktionierten. Die Institutionalisierung und Regulierung der Wirkstoffe war dabei an den gesellschaftlichen Problematisierungen der Moderne wie Geschlecht, Sexualität, Bevölkerung, Ernährung und Fortpflanzung ausgerichtet. Die Geschichte der Wirkstoffe ist auch ein Exempel dafür, wie soziale Probleme hergestellt und in technowissenschaftliche Lösungsmöglichkeiten übersetzt werden.
Die aufwendige Standardisierung und Aktivierung der Wirkstoffe war nicht nur eine mit Nobelpreisen belohnte wissenschaftliche Herausforderung, sondern ebenso auch ein pharmaindustrielles Geschäft und eine gesundheitspolitische Aufgabe. Insbesondere im Nationalsozialismus kam den Wirkstoffen eine zentrale Funktion bei der Stärkung und bevölkerungspolitischen Regulierung des "Volkskörpers" zu. Die Kompetenz der Wirkstoffe, in einer experimentellen Situation erstaunliche Leistungen zu vollziehen, machte diese jedoch zugleich auch verdächtig, unerwünschte Reaktionen hervorzurufen. Dem Versprechen des durch Wirkstoffe regulierten Körpers korrespondierte der Schrecken des fehlgelenkten Organismus, die Prekarisierung der Wirkstoffe durch ihre potenziell toxischen und Krebs erregenden Effekte.

Rezensionen

"Wegen seiner vielseitigen Anknüpfungspunkte und der breiten Kontextualisierung der Wirkstofforschung […] stellt es nicht nur ein Standardwerk für die Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Wirkstoffe dar, sondern liest sich ebenso als wesentlicher Beitrag zu einer Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts."
Lea Bühlmann, L'Homme 25, 2014/2

"…äußerst lesenswert, und da Stoffs große Leistung vor allem darin besteht, die Erzählbarkeit einer Dinggeschichte auszuloten, sei es hiermit allen an Wissenschaftsgeschichte Interessierten wärmstens zur Lektüre empfohlen."
Beat Bächi, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 36, 2013

"beeindruckende Studie [...] die Bestand haben wird und zugleich zu weiterer Forschung einlädt."
Christoph Kopke, H-Soz-u-Kult, 27.5.2014

Dieser Band wurde außerdem besprochen von:

Ulrike Thoms, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 101, 2014/1

W.-D. Müller-Jahncke, Pharmaziehistorische Bibliographie 21, 2013

Ambix 62, 2015/2

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